Unipapier.

5 Jahre Hörsaal, Seminarraum, Professoren, Dozenten und Kommilitonen. Mensaessen, Bibliothekstrasch und Feierlichkeiten. Prüfungen, Hausarbeiten und Referate. Dazu gefühlte 50 kg Bücher und gezählte 7 Ordner voll mit Notizen und Mitschriften. Das Unileben ist nun schon eine kleine Weile her. Seitdem habe ich nicht wieder in die Unterlagen geschaut. Aber trotzdem aufgehoben und fein ins Regal gestellt. Und dann kam diese Aufräumaktion und zack war eine große Mülltüte voll mit Unipapier. Blätter über Blätter, die man nach durchzechten oder auch durchgearbeiteten Nächten mit halboffenen Augen mühevoll mit Fachwissen beschrieben hat, das den weiteren Lebensweg ebnen sollte. Ein bisschen nagt jetzt das schlechte Gewissen an der Puppe. Was machen Sie denn so mit Ihren altern Uni-, Schul- oder Ausbildungsunterlagen? Man kann das doch nicht alles sein restliches Leben lang mit sich rumschleppen…

Unipapier.

Leseproblem.

pazifikOje. Selten hat sich ein Buch so schwer angelesen. Die ersten 20 Seiten schwankte ich zwischen einschlafen, abschweifen und beenden. Jetzt mal ehrlich. So ein Buchbeginn muss schon krachen oder fesseln oder wenigstens schlüssig sein.
Inzwischen liest sich das Ganze auf Seite 56 schon etwas besser. Sind nur noch 400 seiten, um rauszufinden, ob dieser bescheidene Anfang irgendeinen Sinn ergibt. Oftmals schließen sich ja Kreise…aber nur für den Autor.
Hat das Buch vielleicht jemand gelesen und kann mir Mut machen?

Leseproblem.

Puppiges urlaubt.

So. Licht aus. Fenster zu. Ruhe im Puppenhaus. Puppiges urlaubt.

Lektüre für zwei Wochen ohne Internet
Markus Zusak: Die Bücherdiebin
Irmgard Keun: Kind aller Länder
Minka Pradelski: Und dann kam Frau Kugelmann
W. Somerset Maugham: Theater – Ein Schauspielerroman
Alfred Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame

Lesen Sie doch so lang auch ein Buch.
In zwei Wochen plus ein, zwei Tage Nachurlaubskater geht’s hier puppig weiter.

Puppiges urlaubt.

Wälzer.

Dieses Buch ist so unfassbar dick. Und groß. Und schwer. Ich kann es nicht auf den Rücken liegend lesen. Ständig fällt es mir aufs Gesicht und meine Arme schlafen beim Halten ein. Auf dem Bauch liegend ist irgendwann auch unbequem. Der Rücken…ihr wisst schon. Im Sitzen lesen…das ginge. Ist aber nicht besonders entspannend. Übrigens kann ich es auch nur zu Hause lesen. Die Wuchtbrumme würde mir die Henkel der Puppentasche abreißen. Man müsste schon einen kleinen Koffer mit Rollen benutzen, um es unterwegs lesen zu können.

Und sonst so? Die ersten 60 Seiten des Buches fand ich ganz wunderbar.

Wälzer.

60.

Sehr geehrter Herr Süskind,

ich wünsche Ihnen alles Gute zum 60. Geburtstag. Welche schöne Zahl. Wo auch immer Sie sein mögen: Lassen Sie es krachen. Lesen Sie die spekulativen Artikel in verschiedenen Zeitungen und freuen Sie sich, dass Sie alles richtig gemacht haben. Sie haben viele Wörter zu wunderbaren Geschichten verknüpft und Ihre Bücher statt sich selbst in den Fokus des Interesses gestellt. Dafür gebührt Ihnen Ehre.

Aber unter uns: Sie machen neugierig. Man kommt nicht drumherum, wissen zu wollen, was Sie so treiben. Schreiben Sie noch? Liegt in Ihrer Schublade ein Manuskript, das auf Veröffentlichung wartet? Es wäre mir eine Freude. „Das Parfum“ habe ich damals an einem lauen Sommertag auf Balkonien verschlungen. „Der Kontrabaß“ wurde in der Küche gelesen. Ihren Essay „Film ist Krieg, mein Freund“ las ich mehrmals an verschiedenen Orten und für verschiedene Menschen. Und all Ihre anderen bewegenden Geschichten landen oft aus dem Bücherregal direkt in meinen Händen.

Herr Süskind, Sie sind mir schon Einer. Ihr letztes Bild stammt aus den 80ern. Lassen Sie von sich hören oder sehen, wenn Sie mögen. Oder vielleicht besser nicht. Lassen Sie von sich lesen. Das wäre das Feinste.

Herzlichst,
Ihre Puppe.

60.