Mädchensein.

Damals vor 12 Jahren hast du dich noch geärgert, dass er dir keine Beachtung geschenkt hat. Dass du ein Jahr lang Luft für ihn warst. Dabei bist du mit neun anderen Jugendlichen aus der ganzen Welt in dieses neue Land gekommen und er war dafür da, dich bei Problemen zu untersützen. Doch er hat dich nie angerufen. Die anderen Neun hat er zu Parties eingeladen, von denen du erst am Tag danach erfahren hast. Du dachtest damals, dass es vielleicht daran liegt, dass du das einzige Mädchen dieser Gruppe bist. Und diese Parties in dem neuen Land eben Jungssache waren. Heute weißt du, dass er dich genau aus diesem Grund ignoriert hat. Weil du ein Mädchen warst. Weil du nur das Unfassbare mildern solltest. Als Mädchen. Du warst gut für seine Quote und für sein Ansehen. Damit niemand Verdacht schöpft. Heute weißt du auch, dass du nie mehr Glück hattest. Das Mädchensein hat dich beschützt. Er mochte Jungs. Dreißig Jahre zog er durch mehrere Bundesstaaten und verließ den jeweiligen Ort, wenn es für ihn brenzlig wurde. Nachdem alle wieder in ihren  Heimatländern waren, verließ er die Stadt. Zehn Jahre später bricht für ihn alles zusammen. Die inzwischen Erwachsenen, die damals als Jugendliche auf das Jahr ihres Lebens hofften, schweigen nicht mehr. Die damaligen Jungs sprechen. Auch zwei Jungs, die du kennst. Und du begreifst, dass du nie dankbarer warst, ein Mädchen zu sein. Gerichtsurteil: 25 Jahre. Mr. R. – du hattest Glück. Du weißt, dass dieser Bundesstaat in solchen Angelegenheiten eigentlich nicht zimperlich ist. Und du weißt auch, dass man dir nie verzeihen wird.

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9 Gedanken zu “Mädchensein.

  1. Ach Du Sch…, ganz tolles Frauentagsthema! Das sind die einzigen (Un)Taten, wo ich ernsthaft über die undenkbare T…strafe nachdenke. Ob das nun amerikanische Irre oder deutsche katholische Geistliche sind. Mindestens ein paar überstehende Körperteile abhacken.

  2. iForia schreibt:

    Da sind Dinge, von denen man denkt (und hofft), nur aus dem Fernsehen zu erfahren.

    Wenn sie dann ein gutes Stück näher kommen fühlt es sich ganz anders an.

    Was soll man jetzt dazu sagen? Hoffe für die beiden Jungs, daß sie lernen, damit umzugehen.

    Und daß dieser Penner verknackt wurde ist natürlich großartig. Auf Vergewaltiger und Kinderschänder sind sogar die härtesten Knastis nicht gut zu sprechen, der Kerl wird schon seinen „Spaß“ haben.

  3. nomadyss: Völlig ohne Verbindung zum Frauentag, der gestern war. Aber ein schwieriges Thema…auch der Umgang damit und die „gerechte“ Strafe.

    iForia: Ja…plötzlich ist das viel näher und damit realistischer, als man es jemals wollte.

    1. Sie haben total recht. Das zweite Du macht am Schluss überhaupt keinen Sinn. So ist das, wenn man mit zu vielem Emtionen schreibt. Ich lass es nun aber so. Geschrieben ist geschrieben.

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