20er.

Manchmal denke ich darüber nach, wie mein Leben heute wohl aussehen würde, wäre das vor 20 Jahren alles anders gelaufen. Ein großes konjunktives Dilemma. Ich hätte mit Sicherheit nicht im westlichen Ausland leben könne, wäre nicht so weit gereist und hätte viele Menschen nicht kennengelernt, die mir viel bedeuten. Ich hätte vielleicht genau wie mein Papa in eine Kiwi gebissen und mich über den pelzigen Geschmack geärgert, weil ich diese Frucht nicht kenne. Aber ich hätte mich weiterhin zu Weihnachten über das Westpaket gefreut, das nur noch zwei der vier verschickten Micky Mouse Hefte enthält, weil es unterwegs durchsucht wurde und einer Familie mit zwei Kindern nun mal nur zwei Hefte zustehen. Ganz klar. Ich hätte wahrscheinlich was anderes studiert und meinen Job gab es in dieser Form in dem alten Land gar nicht. Die Bezeichnung meines neuen Jobs wäre ein Fremdwort gewesen. Überhaupt…Jobwechsel. Eher ungewöhnlich. Allerdings hätte ich, wenn das alles anders gelaufen wäre, mehr als nur zwei Jahre Zeit gehabt, diesen Pionierknoten zu lernen. So musste mir dabei immer geholfen werden. Das blaue Halstuch habe ich noch irgendwo. Heute wäre ein guter Tag zum Üben.

20 Jahre also. Wunderbar. Und diesen Konsum da auf dem kleinen Berg in der Heimat, den gibt es immer noch. Mit der gleichen Belegschaft. Nur jetzt auch mit Bananen für alle. Flippste aus.

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20er.

11 Gedanken zu “20er.

  1. Vor 20 Jahren ging ich noch nach „drüben“, später dann in den Osten und heute wie selbstverständlich ganz einfach in den jeweiligen Bezirk. Noch liegen mindestens 20 Jahre vor uns, denn man sagt, es dauerte eine Generation, um auch die innere Teilung zu überwinden – damit dann auch auch die restlichen 16 % sich nicht mehr die Mauer zurückwünschen. In der Nachbetrachtung wird man sich gewiss, Teil eines historischen Moments gewesen zu sein, in der Nachbetrachtung weiß man, wie spannend der Prozess der Weiedervereinigung gewesen ist, was sich „hinter den Kulissen“ abgespielt hat.

    Und keine Angst: Auch Westdeutsche haben direkt in die Kiwi gebissen…

  2. Und vor allem: Sie würden wohl kaum bloggen können, hätten vor 20+ Jahren nicht viele mutige Menschen gesagt: „Es reicht!“

    Bei der „Wiedervereinigung“ ist verdammt viel schief gelaufen, keine Frage. Den Ostdeutschen wurde teilweise übel mitgespielt, viele westdeutsche Firmenchefs bekommen wohl jetzt noch ’ne Monster-Erektion, wenn sie an die „Treuhand“ denken & welche gigantischen Geschäfte sie damals gemacht haben …

    Aber immer wieder, wenn ich die Bilder der damaligen Zeit sehe … dann denke ich mir: „Wenn es einen Grund gibt, auf mein Land stolz zu sein, dann ist es genau diese friedliche Revolution.“

  3. Annie: Danke. =)

    r|ob: Manchmal ist es undenkbar, dass es erst 20 Jahre her ist. Und manchmal fühlt es sich an, als wäre es gestern gewesen. Auch in den Köpfen. Ich würde gern noch miterleben, wie niemand mehr von Ost und West als Landesgrenze spricht, sondern es tatsächlich als Himmelsrichtung auffasst.

    iForia: Ich bin fast froh, dass ich noch relativ jung war. So habe ich die wirtschaftlichen Aspekte und manche Ausbeuterei nicht bewusst mitbekommen. Man kann sagen, ich genieße den Mut, den die Generation vor mir an den Tag gelegt hat. Wie soll man sich den jemals genügend dafür bedanken?!

  4. 1989 war ich 22 Jahre jung, hab damals aber gedacht: „Eine Wiedervereinigung können wir uns nicht leisten.“ Also monetär.

    Und teuer war die ganze Nummer. Teilweise aber auch wg. der Fehler, die gemacht wurden.

    Im Endeffekt ist es gut, wie es gekommen ist. Ich oller Wessi wohn nun in „Ost-Berlin“ und genieße, gerade jetzt im Herbst, die Weite und Leere in Brandenburg bei einer Sonntags-Biketour.

    Nicht alles ist gut, wie es aktuell ist. Aber das wird schon werden.

    Hoffe ich. ;)

  5. Was kann besser als Freiheit sein? Und was kann besser als Freiheit sein, die nicht mit einem Krieg erkauft wurde? (Ja, es hat die Mauertoten gegeben, natürlich will ich sie nicht vergessen. Aber insgesamt war es doch eben eine friedliche Revolution.)
    Und welcher monetäre Preis sollte so von uns als zu hoch beklagt werden? Eben.
    Fräulein Puppe, ich find’s grossartig, dass uns keine Mauer und keine Staaten mehr trennen. Grossartig.

  6. iForia: Man sollte sich immer vor Augen halten, dass es auch nicht gut war, wie es war. Somit sind wir in den letzten 20 Jahren einen guten Schritt vorwärts gegangen.

    Nika: Wir würden uns sonst nicht kennen. Man würde sonst so manches nicht kennen.

    apostelchen: Oh ja…hier auch.

  7. @ Blinkfeuer: klar, für WDR 3 reicht es. Osttechnik ging entweder gar nicht oder sie hielt ewig. Und bei einem Radio kann man nicht viel falsch machen. Stelle dich darauf ein, dass keines deiner Kabel passt. Früher wurden die Dinger mit so genannten Idiotenkabeln (im Laden aber bitte Diodenkabel sagen…) verbunden, von den 5 Adern brauchte man glaub ich nur zwei, so habe ich jedenfalls jahrelang einen Plattenspieler an die Westanlage angeschlossen. Im gut sortierten Fachhandel gibt es Adapter Diodenstecker auf Chinchstecker.
    Es gibt nur einen Nachteil, und das ist nicht RFT, sondern ebay. Ich kaufe nie wieder gebrauchte Technik da.
    Soviel off topic.

    @ Puppe:
    es verschwindet so viel aus den Gedanken. 1989/1990 war das spannenste Jahr überhaupt, aber wenn ich heute jemandem den Osten und die Revolution erklären soll ist es ein ganz anderer Blick als damals. Die Diskussion kommt auf ganz andere Dinge. Wie war das mit den Milliardenkrediten vom Strauß? Wie gefährlich sind die alten Stasi-Seilschaften heute noch? Ist für manche Länder Diktatur nicht das bessere System als importierte und überhaupt nicht funktionierende Demokratie? Warum ist der Kapitalismus seit es den Sozialismus nicht mehr gibt ein Stückchen mehr so geworden wie der Sozialismus behauptet hat, dass er immer schon sei? Versteht man die Frage?

    Naja, gib mir ne Flasche Rotwein und ich schreibe noch ein paar Stunden so weiter. Ohne Revolution hätte man über solche Fragen nur im kleinsten Freundeskreis diskutieren können und selbst da hätten wohl ein paar ungebetene mitgehört.

  8. @nomadyss, danke für die Info. Hatte für meinen Vater gesucht, reine Tuner im Großformat zur Anlagenergänzung werden ja rar. Aber bei Conrad gibt es noch welche. Hat jetzt 40 Stationstasten, braucht aber eben nur die Eine. :)
    Und „gebraucht“ sind die Dinger nicht. 30€ für Nostalgiker akzeptabel. Bloß im Netradio Zeitalter schwer zu verkaufen.

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