Kiezkassiererin.

Dieser Berliner Kiez hier ist sehr besonders. Menschen laufen lächelnd durch die Straßen. Auf hochgewachsenen Bäume schaukeln tschirpend kleine Vögel. Häuser haben Minivorgärten. Bewohner pflegen die Minivorgärten. Blumenhändler grüßen, weil man immer im August drei Sonnenblumen kauft. Es ist ein wunderbarer Kiez. Mit einem wunderbaren kleinen Einkaufslädchen. Dort arbeitet die wohl netteste Kiezkassiererin. Selbst wenn die Schlange an der anderen Kasse ein bisschen kürzer ist, stell‘ ich mich immer bei ihr an der Kasse an. So auch an jenem denkwürdigen Tag. Vor mir ein Paar. Laut, rumpelnd, unfreundlich. Als das Paar das Kiezlädchen verlassen hat, schüttelt die netteste Kiezkassiererin den Kopf und zieht meine Ware über den Scanner. „Die sind bestimmt nicht ausm Kiez.“, sage ich so daher. Worauf die netteste Kiezkassiererin antwortet: „Na ich doch auch nicht. Niemals würde ich in so einem langweiligen und trägen Kiez wohnen.“ Schweigen. Ich schaue sie an. Dann starre ich hilfesuchend die Menschen an, die hinter mir in der Schlange stehen. Niemand bewegt sich. Alle blicken entsetzt zur nettesten Kiezkassiererin. Und dann löst sich der Bann. Alle reden auf die netteste Kiezkassiererin ein, wie schön doch unser Kiez sei. Und so friedlich. Sie bleibt bei ihrer Meinung. Wir resignieren. Aber als sie mir das Wechselgeld gibt, drückt sie meine Hand und lächelt verschmitzt. „Sie bleiben trotzdem meine Lieblingskiezkassiererin.“, sage ich und verlasse das Kiezlädchen.

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