Kindertheater.

Gestern Theater. Ein schönes Stück. Eine schöne Bühne. Kleiner Saal. Gerade mal 100 Plätze. Alles sehr gemütlich.
Vor mir saß eine Familie. Eltern mit ihren ungefähr 15-jährigen und 8-jährigen Söhnen. Dem 15-Jährigen sah man schon beim Betreten des Saales an, dass er keinen Bock hatte. Der 8-Jährige war sich seine Stimmung nicht ganz sicher. Licht an. Es ging los. Ein 90-minütiges Einpersonenstück mit einem älteren Herren der Wienerisch spricht. Der 8-Jährige versuchte 15 Minuten lang zu folgen bis er seine Hibbeligkeit nicht mehr unter Kontrolle hatte. Nach einer Stunde baumelte sein Kopf unkontrolliert wie an einem Gummiseil vor und zurück und nach links und nach rechts. Seine Finger trommelten auf die Stuhllehne. Muttern wurde etwas unruhig und versuche den Sohn zu ermahnen. Leise natürlich. Wir sind ja im Theater. Versöhnlich schaute sie mich an, denn Herr Sohn saß direkt vor meiner Nase.
Und in mir kroch Mitleid für den Buben empor. Warum müssen seine Eltern ihn in so ein Stück schleppen? Das Stück war toll. Keine Frage. Aber nicht für einen 8-Jährigen. Ein 8-Jähriger will keinen älteren Mann auf der Bühne sehen, der sich auf Wienerisch über das Leben beklagt und dabei Konservendosen sortiert.
Wozu gibt es Kindertheater. Liebe Eltern…schleppt eure Kinder ins Kindertheater. Das ist für Kinder gedacht. Sagt ja schon der Name. Macht Sinn, ne? Oder ins Puppentheater.
Lesen hier Eltern mit, die mit sowas Erfahrung haben? Würde die Puppe ja mal interessieren.

P.S.: Kieken Sie mal beim Skizzenblog.

Advertisements
Kindertheater.

18 Gedanken zu “Kindertheater.

  1. Herr Zwerg besucht nur das Kindertheater. Ich käme im Leben nicht auf die Idee, ihn in ein Erwachsenenstück mitzunehmen. Warum auch? Er ist ein Kind und versteht derlei Inszenierungen gar nicht.

    Im Kino sehe ich mir mit ihm auch ausschließlich Kinderfilme an.

  2. zimtapfel schreibt:

    Kindertheater? Findet mein Goldneffe ganz toll.
    In Stücke für Erwachsene würde ich Kinder nur mitnehmen, wenn sie erstens alt genug sind, das Stück zu verstehen und zweitens auch ein gewisses Interesse daran zeigen.
    Die Kinder auf Teufel komm raus überall hin mitzuschleppen, nur um sich selbst oder wem auch immer zu beweisen, das man mit den Kindern auch immer ordentlich in Kultur macht, das ist einfach nur dumm.

  3. kabelsatan schreibt:

    Ich glaube ja das es sich bei diesen Elter in deiner Schilderung um Clevere Kulturbanausen handelt. Denn Sie beabsichtigen damit vielleicht das der kleine Mann nie wieder in Theater gehen wird. Das wiederum halte nur für unfair von diesen Eltern, dem Deutschen Theater gegen über. Es werde ja nicht gerade jedes Jahr mehr besuchen. Und wieder ist ein Zukünftiger Potenzieller Besucher verloren gegangen.

  4. Es gibt KINDER-Vorstellung, die sind direkt auf die Zielgruppe zugeschnitten. Das muss nicht heißen, das dies nur irgendwelchen „Kikikram“ beinhaltet.

    Gutes für Kinder. können dann meistens sogar die erwachsenen Begleitpersonen ertragen :lol:

    Und auch in einer Kinder-Vorstellung, wo es ja okay ist, dass es nicht mucksmäuschenstill ist, mute ich niemandem ein total gelangweiltes zappeliges Kind zu…dann geh ich raus!

    Deshalb fanden die ersten Vorstellungen immer mit zwei Begleitern statt…weil zwei Kinder…wir sind dann immer abwechselnd raus zur Toilette (was soll ein gelangweiltes Kind im Kino oder auch im Auto sonst sagen :-)) und haben uns später die fehlenden Passagen erzählt.

    Jaaa, am Anfang ist Kultur für (mit) Kinder(n) nicht so prickelnd für Erwachsene…da bekommt man immer nur die Hälfte mit. Aber genauso waren Restaurant besuche…was hab ich mich ins Zeug gelegt, dass die Kinder sich nicht langweilen…ahhhh, und dann waren die immer so schnell satt…das ist dann nicht sooo toll.

    Auch die ersten Jahre, die Besuche im Zoo, das war eigentlich nur Tiere ansehen auf dem Weg zum Riesenspielplatz und auf dem Weg zum Ausgang.

    Ich finde für Kinder ist es schon anstrengend überhaupt so lange durchzuhalten und sich auf etwas zu konzentrieren…da muss man es nicht mit „Erwachsenenkram“ überfordern. Danach haben alle bloß schlechte Laune!

  5. Frau Sterntau: Find ich schön, dass Herr Zwerg ins Kindertheater geht. Besonders bei Filmen denke ich mir auch immer, dass die Altersbeschränkungen einen Grund haben.

    Zimtapfel: Besonders weil dann die Eltern auch nichts mehr von der Kultur haben.

    Kabelsatan: Der Junge ist bestimmt für immer und ewig theatergestört.

    pampashase: Wow…was für eine lange Antwort. :) Kinder machen sich eben ihre eigene Kultur. Das ist ja das Tolle am Kindertheater….es ist eben nur für Kinder und kindgerecht aufbereitet. Man muss Kindern nicht mit Erwachsenenkram nerven.

  6. Puppe, als wir letztens im Kino waren, fiel mir an der „Plakatwand“ auf, dass über vielen Filmen FSK12 dabeistand, dass in diese Filme auch jüngere Kinder in Begleitung ihrer Eltern dürften. Das fand ich doch arg irritierend. Was ändert denn die Anwesenheit der Eltern daran? Würde ich z.b. niemals zulassen.

  7. pampashase: Werde das Thema mal bei weiteren Theaterbesuchen beobachten.

    Frau Sterntau: Dieses FSK ist auch so ein Thema. Kinder dürfen ja in Begleitung von Erwachsenen in Filme ab 12. Wenn dann allerdings ein Papa mit seiner 4- oder 5-jährigen Tochter an der Kinokasse steht und unbedingt den Film ab 12 sehen will, habe ich die nie reingelassen. Da kannte ich nix. Bestes Beispiel: Die späteren Harry Potter Filme. Gruselig. Und nichts für Kinder im Alter von 4 oder 5 Jahren. Konnte nie verstehen, warum Eltern ihre Kinder in ungeeignete Filme schleppen wollten. Argh.

  8. (Passt hier zwar nicht ganz, kann mich aber nicht zum Thema auslassen, hab keine Kinder:) Das ist doch das tolle am Erwachsenenalter, daß ich eigentlich Zielgruppe für beiderlei Variante bin. Ich gehe gerne ins (Erwachsenen-)Theater und liebe Kinderfilme a la „Findet Nemo“. :-)

  9. Liz schreibt:

    Interessantes Thema. Solche Elternexemplare, die schon im KiGa-Alter ihre Kids auf Kultur trimmen, findet man leider immer wieder und schon von jeher. Leider.
    Völlig an Bedürfnissen der Kids vorbei, egal ob es um musikalische Frühüberfö/orderung oder den Englisch- oder Französischunterricht im KiGa-Alter geht (und ich meine NICHT Familien mit je einem Elternteil aus unterschiedlichem Sprachkreis) uam.

    Klar kann man Kindern auch die Möglichkeit eröffnen, schon früh und GERN Musik zu hören oder auch selbst aktiv dabei zu sein oder Theater zu erleben, aber halt altersgerecht.

    Mein eigener Sohn hatte je nachdem ob er von seinem Vater oder von mir morgens im Auto mitfuhr von Anfang an die zufällige Wahl zwischen Antenne Bayern (beim Vater) und Klassik Radio (bei mir). Was er lieber mochte ? Sagen wir: Er bat seinen Vater, auf Klassik Radio umzuschalten … ;-) Es gab schon zu seiner KiGaZeit tolle CDs/Kassetten mit Begleitbilderbuch für die Zauberflöte und ähnliches und im Münchner Marionettentheater und Kindertheater ebenfalls altersgerechte Inszenierungen solcher und ähnlicher Stücke an Nachmittagen. Zu denen er und andere Kids mit Begeisterung gingen. Und wenn er Lust hatte, hörte er daheim ebenso gern zwischendurch andere „Klassiker“ – ich sag nur „töööörööö“ – eben wonach ihm gerade war. Bei Büchern und anderem im Laufe der Zeit ähnlich.
    Wenn man ihnen Möglichkeiten offen lässt und einfach nur ein bisschen gut hinhört, was für SIE vielleicht Spass macht, interessant ist, Neugier weckt, suchen sich Kinder unter Angeboten, freiwillig meist von selbst das, was interessant ist, altersgerecht und sie dennoch letztlich weiter fördert, habe ich den Eindruck. Alles was sie überfo/ördert, lehnen sie dagegen oft nicht nur für den zu frühen Moment ab, sondern auch später noch …
    vG Liz
    PS: Humor finde ich wichtiger als Kulturdrill für Kiddies

    http://tinyurl.com/njgp5q

  10. Musste gerade meinen 4jährigen Knirps aus dem Film „Oben“ begleiten, weil er zu gruselig für ihn war. Und der Film ist FSK 0.
    Da muss man als Elternteil flexibel sein. Was nicht geht geht nicht und das Eintrittsgeld ist dann halt weg. Andererseits: wenn man es nicht ab und zu probiert weiß man ja auch nie, ob es inzwischen geht oder nicht.
    Von den sekündlich wechselnden Launen der Kinder mal abgesehen (will / will nicht / will / will nicht…)
    Aber 8jährige müssen im Erwachsenenstück wirklich nicht sein.

    Du arbeitest an der Kinokasse? In die Potter-Filme solltest Du am besten eh keinen rein lassen. Die sind alle so schlecht.

  11. Liz: Willkommen im puppigen Blog. :) Es ist sicher schwer, den besten Weg für sein Kind zu finden. Fremdsprachen schon im Kindergarten? Sprtförderung? Dies und das. Ich gebe Ihnen recht, wenn Sie sagen, dass ein Kind zu verstehen geben wird, was ihm am besten gefällt und was Spaß macht. Ein Stück mit einem alten Herren auf der Bühne, der Wienerisch spricht, gehört sicher nicht dazu. Das hätte ich den Eltern auch ohne Vorkenntnisse sagen können. ;)

    nomadyss: Leider habe ich „Oben“ noch nicht gesehen. Jedes Kind reagiert anders auf Filme. Für das Kind und die Eltern ist es dann sicher besser, den Film einfach zu verlassen bevor es nachts schlechte Träume gibt.
    P.S. Die Kinokassenzeiten sind seit einigen Jahren vorbei. :) Regelrechte Sozialstudien konnten da betrieben werden.

    1. „Oben“ ist ein famoser Film, in den ich meinen Achtjährigen allerdings auch nicht allein gehen lassen würde. Nicht, weil er Angst hätte, sondern weil ich denke, Kinder in dem Alter sollten sowas noch mit einem Elternteil, Freunden oder Familie tun.

Erzähl' mal was...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s