Bloggerding?

Ich bin ernsthaft davon überzeugt, dass besonders Dienstleister sofort erkennen, ob sie mit einem Blogger zu tun haben. Anders kann ich mir das alles nicht mehr erklären. Die Kassiererin, der Busfahrer, der Vermieter, der Arzt – sie alle verhalten sie nur deswegen so abstrus, weil sie in unsere Blogs wollen. Weil sie scharf darauf sind, dass wir Geschichten über sie schreiben. Wie sonst kann es sein, dass man als Blogger ständig Dinge erlebt, die so merkwürdig sind, dass sie zu Blogposts verwurstet werden müssen? Oder haben wir einen anderen Blick auf Dinge? Betrachten wir die Menschen anders? Was ist das?

Kürzlich saß ich bei einem Versicherungsmenschen. Schon bei der Begrüßung war mein erster Gedanke, wie ich das verbloggen könnte. Versicherungsmensch so: „Ich gebe nie jemanden die Hand. Ich bin nämlich unhöflich.“ Dann folgte ein verschmitztes Lächeln und mir war klar: Der Typ hat Blogpotenzial. Das strapazierte er im Verlauf der halbstündigen Beratung aber dermaßen über, dass es zu wild war, um noch darüber zu schreiben. Um mir eine Versicherung schön zu reden, erzählte er erst von seiner 98-ährigen Mutter, die aber schon seit 10 Jahren tot ist. Dann von einem Gleichnis über Geld, Bersteigen und seinen Vater. Dann von seiner Nichte und ihrer Shoppinglust. Dann von deutscher Sprache. Dann vom Call Center seiner Versicherung. Dann von Ost und West. Dann vom zweiten Weltkrieg. Dann von sich und seinem Kumpel. Dann von Erdbeben und dann…ich weiß es nicht mehr. Zu viel.

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Bloggerding?

21 Gedanken zu “Bloggerding?

  1. Das will ich nicht unbedingt abstreiten, dass wir Blogger die Welt und die Ereignisse um uns herum mit anderen Augen sehen. Ich überlege auch oft, was man so alles verbloggen kann, was einem so über die Füße läuft ;)

    Allerdings eigene sich manche Dinge auch nicht so, weil sie zu privat oder eben sich mit Sachen beschäftigen, wo man schnell in der Grauzone hängt.

  2. Blogger sind einfach anders. Als ich in der Anfangszeit des Bloggens war, sah ich die Welt noch mit normalen Augen. Mittlerweile (es fing vielleicht nach 3 oder 4 Monaten an) habe ich es mir auch angewöhnt sofort in Blogposts zu denken, wenn mir etwas schönes, abstruses oder was auch immer passiert. In meinem Kopf bilden sich sofort passende Sätze. Das passiert mir 5 bis 387 mal am Tag glaub ich. Früher vergaß man solche Sachen oder erzählte sie einfach jemandem und dann war es gut. So aber beschäftigt man sich viel intensiver damit.

  3. Und jetzt bist Du passend gegen 98jährige tote Mütter, Bergsteigen, Shoppinglust, die Irrungen und Wirrungen der deutschen Sprache, Call Center, Erdbeben, Versicherungsvertreter und Weltkriege versichert??? Doll!

  4. Blinkfeuer schreibt:

    @Ansku: Fast richtig. Jedoch können 98jährige nur versichert werden, wenn ihre Eltern den Vertrag mit unterzeichnen.
    Und ich Dummerle dachte, das sei bekannt…. ;)

  5. Wortman: Jeder muss für sich entscheiden, wie privat er bloggt. Ich kann bei einen Blogs nicht verstehen, wie man sowas in aller Öffentlichkeit schreiben kann, aber das muss eben jeder für sich entscheiden.

    alamne: Mir geht es ähnlich. Es gibt Phasen, da könnte ich alles verbloggen und an anderen Tagen fällt mir nichts auf. Das hat oft auch mit dem Gemüt zu tun.

    nachtglanz: Jupp…wir sind alle ein bisschen Blogger. Bis auf die, die nicht bloggen. ;)

    Ansku: Das Beste daran – Ich habe keine Versicherung abgeschlossen. Mir haben die Ohren zu sehr gesummt.

    Blinkfeuer: Da wir angeblich alle immer älter werden, wird das tatsächlich bald möglich sein. ;)

  6. apostelchen schreibt:

    Also Fr.Puppe :mir ist heute etwas passiert,das zum Lachen,Weinen und Kopfschütteln war (gleichzeitig)-die deutsche Bundesbahn lässt grüßen.-und ich habe komischerweise an Sie gedacht,Fr.Puppe.
    Sie haben also das Potential mit ihrem Blog (Ihnen passieren doch so komische Dinge,so war es doch) in meinem Kopf zu sein.

    Hihi.:)

    1. Was ist denn geschehen in der Bahn? Dieser Dienstleister ist ja oftmals bloggenswert. Ich fühle mich geehrt, dass Sie da draußen in der verrückten Welt an den puppigen Blog denken.

  7. Ja …irgendwie hab ich schon das „Blogger-Auge“, aber leider noch nicht die coolness eines Profi-Bloggers in jedem passenden und unpassendem Moment mein Fotohandy zu zücken. Deshalb fehlen mir fast immer die Bilder zu meinem im Kopf schon perfekt getexteten Blog…na und dann lass ich es meistens… :)

  8. Pampashase: Die Kamera muss immer griffbereit sein. Ich geh nie ohne meine kleine Kamera aus dem Haus…aber das war schon vor Bloggerzeiten so. ;)

    Hans: Oh. Ein schönes Projekt. Und ich soll daran teilnehmen? Welch Ehre. Lass uns da nochmal drüber quatschen. Bin mir allerdings nicht sicher, ob die Blogeinträge und ich vorlesegeeignet sind. ;)

  9. Der Mensch war Buddhist, wenn er glaubt, dass seine tote Mutter als 98-ähriges Getreide wieder geboren wurde. Was muss man verbrechen, damit man als Getreide reinkarniert wird? Versicherungen verkaufen?

  10. Nun, Du schreibst doch „von seiner 98-ährigen Mutter“, und Ähren kommen von Getreide. Nur für den Fall, dass ich mich irre, und Du die 98-jährige Mutter meinst, ist mein Kommentar allerdings unverständlich.

  11. war halt nicht ganz so offensichtlich wie bei „Widereröffnung“. Da mein halbes Blog mit solchen Wortspielen spielt ist das wohl inzwischen soetwas wie eine Berufskrankheit von mir. Wie Du so treffend feststellst:
    “ Oder haben wir einen anderen Blick auf Dinge? Betrachten wir die Menschen anders? “
    Dinge, über die wir sowieso schreiben, fallen uns einfach eher auf.

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