60.

Sehr geehrter Herr Süskind,

ich wünsche Ihnen alles Gute zum 60. Geburtstag. Welche schöne Zahl. Wo auch immer Sie sein mögen: Lassen Sie es krachen. Lesen Sie die spekulativen Artikel in verschiedenen Zeitungen und freuen Sie sich, dass Sie alles richtig gemacht haben. Sie haben viele Wörter zu wunderbaren Geschichten verknüpft und Ihre Bücher statt sich selbst in den Fokus des Interesses gestellt. Dafür gebührt Ihnen Ehre.

Aber unter uns: Sie machen neugierig. Man kommt nicht drumherum, wissen zu wollen, was Sie so treiben. Schreiben Sie noch? Liegt in Ihrer Schublade ein Manuskript, das auf Veröffentlichung wartet? Es wäre mir eine Freude. „Das Parfum“ habe ich damals an einem lauen Sommertag auf Balkonien verschlungen. „Der Kontrabaß“ wurde in der Küche gelesen. Ihren Essay „Film ist Krieg, mein Freund“ las ich mehrmals an verschiedenen Orten und für verschiedene Menschen. Und all Ihre anderen bewegenden Geschichten landen oft aus dem Bücherregal direkt in meinen Händen.

Herr Süskind, Sie sind mir schon Einer. Ihr letztes Bild stammt aus den 80ern. Lassen Sie von sich hören oder sehen, wenn Sie mögen. Oder vielleicht besser nicht. Lassen Sie von sich lesen. Das wäre das Feinste.

Herzlichst,
Ihre Puppe.

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60.

13 Gedanken zu “60.

  1. Toll geschrieben. :-)

    Ich finde es ja auch unglaublich spannend, wie er sich aus der Öffentlichkeit zurückhält. Mal sehen, ob er an seinem 70. Geburtstag wirklich das Geheimnis um seine Person lüftet.

  2. Kaanu & Stilke: Danke fürs Kompliment. Bin auch gespannt, ob er in 10 Jahren was zu sich erzählt. Andererseits: Warum sollte er? Was gäbe es zu erzählen? Er hat schon recht: Nur weil er schreibt, man ihn das nicht zu einer öffentlichen Person.

  3. Ich bewundere ihn auch dafür, dass er so gar nicht ins Rampenlich drängt. Vielleicht sollte er am besten auch mit 70 aufs „outen“ verzichten. Wenn jemand so lange schweigt wird über sein Reden sicher ein unerträgliches Tamtam gemacht – ob mit 30 oder mit 70. Hauptsache diverse Klatschmedien haben was zum Ausschlachten…

  4. @kaanu Ich denke nicht, dass er mit 70 in die Welt tritt und sagt: „Hallo hier bin. So sehe ich es und das habe ich die vergangenen Jahre gemacht.“ Mir wäre es sowieso viel lieber, er würde schreiben. Aber man will ihn ja auch nicht unter Druck setzen. ;)

  5. Das ist dann ausschließlich DEIN Verdienst mit der perfekt tonisierten äh intonierten äh unaufdringlichen Aufforderung! Ob Du dann Tantieme bekommst? Oder zumindest ein unterschriebenes Exemplar?

    (Ob Herr Süskind Blogs liest?)

  6. der brief ist wunderbar geschrieben. kennst du ‚gut gegen nordwind‘ von daniel glattauer? das ist eines meiner lieblingsbücher. das ist genauso geschrieben. wie emmi. die protagonistin.
    liebe grüße,
    paleica

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