Singender Taxifahrer 1905.

flugAm Mittwoch erlebte die Puppe ungezählte Begebenheiten und jedes kämpfte darum, zum Highlight des Tages zu werden. Im Sinne des Spannungsaufbaus kommt der Gewinner zum Schluss…wegen der Dramaturgie und so. Erstmal die kleinen Highlights, die leider nicht gewonnen haben, obwohl auch sie wirklich ihr Bestes gaben.
Schön ist zum Beispiel, sehr (also sehr sehr) früh aufzustehen, um nach Stuttgart zu einem Kundentermin zu fliegen. Um dann bei Ankunft im Süden zu erfahren, dass der Termin platzt. Also zwei Stunden warten und zurück fliegen. Man könnte sagen, ich war zum Kaffee trinken in Stuttgart. Denn nichts anderes habe ich gemacht: Einen Kaffee im Flughafengebäude in Stuttgart getrunken. Der war nicht mal gut. Eher so mittelmäßig.
Bei Erreichen des Reiseziels Berlin, von dem ich wohlgemerkt gerade mal fünf Stunden vorher losgeflogen bin, sagte die wie immer lächelnde Stewardess zuerst auf Deutsch und dann auch noch auf Stewardessen-Englisch, dass wir nun unseren Zielflughafen Hamburg (!) erreichen. Kurz darauf räusperten sich die Lautsprecher: „Wie ich gerade erfahren habe, fliegen wir ja nach Berlin. Na da ist es auch schön. Also wir landen gleich in Berlin-Tegel.“
Aber der Highlight-Gewinner ist meiner neuer Lieblingstaxifahrer Berlins, denn der hat für die Puppe gesungen. Von Anfang an schien er sehr redselig. Erklärte janz jenau, welche Strecke er nimmt. Und beschrieb auch alle Wege, die er nicht fahren wird. Danach wollte er gern raten, woher ich ursprünglich komme. Den Spaß ließ ich ihm. Er lag weit daneben. Das brachte ihn zu einem ausschweifenden Monolog über Linguistik und so’n Kram. Da habe ich mal eingehakt und mich als Studierte eben diesen Faches geoutet. Er so: „Und wie lange haste das so studiert? Also wann hast’n dit abjebrochen?“ Ich so: „Gar nicht. Mit dem Magister fertig geworden.“ Das animierte ihn dazu, freihändig weiterzufahren, weil er dolle in die Patschehände klatschen musste. Er selbst brach sein Germanistikstudim nach 17 Semester ab und zeigte dann breit grinsend einfach nur aufs Taxischild. Hallo Klischee. Und zum Highligh des Tages wurde er, als er kurz vorm Ziel vorschlug, für mich ein Lied zu singen. Weil ich ja so ein sympathischer Fahrgast sei. Also trällerte er fünf Strophen eines Liedes, das er so ankündigte: „Also dit is janz selten, dit Lied. Dit kennt och fast keener. Dit is dit einzige Militärlied, wat man kabarettistisch singen kann. So, jetzt jeht et los. Aber Sie müss’n noch wissen, dit Lied ist von 1905. Also Kaiser Wilhelm. Dit ist wichtich für die Intepretation. Aber dit wissen Se ja als Linguistin, wa!“ Und dann sang er in einer unglaublichen Lautstärke, mit einer Mimik, die ich leider nur zur Hälfte im den Rückspiegel sehen konnte und mit theatralischen Handbewegungen gen Himmel und gern auch mal die Hand zu einer Pistole geformt. Es war ein Fest.

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Singender Taxifahrer 1905.

17 Gedanken zu “Singender Taxifahrer 1905.

  1. Hans: Ja, bis jetzt hatte ich fast immer Glück.

    Anika: Es hätte schon fast eine Videokamera sein müssen. ;)

    Unterholzbewohner: Wobei es an der Elbe ja auch hübsch ist. Dort bin ich dann morgen.

    Sterntau: Sorry..ich meinte 17 Semester…ist geändert. Aber immer noch viel, wa? ;)

  2. Sterntau: Oh…da kann man schon ein Weilchen studieren. Allerdings muss man dafür nicht 17 Semester an der Uni eingeschrieben sein, sondern könnte auch einfach einen Abschluss machen und dann viele viele Bücher lesen. ;)

  3. nordika schreibt:

    oh, du hättest dich einfach bei meinen projektträgern, die wohl im selben flieger saßen, unterhaken und flugs kaffee und die zwei stunden in meinem anheimelden büro verbringen sollen. das wär ein spaß geworden :)

  4. Kassio: Hamburg ist wirklich schön…da geb ich Dir recht. Aber so eine Stewardess sollte schon wissen, wo der Flieger hingeht. Berufsdemenz. ;) Am Freitag musste Platz machen in Hamburg…werde mal an der Elbe verweilen.

    Nordika: Ich nehme Dich beim Wort und versuche es beim nächsten Mal. Versprochen.

  5. Stilke: Willkommen, Frau Stilke. Kurios trifft es. Fast schon unglaubwürdig. Eine falsche Destination zu hören, ist ja auch nicht schlecht. Statt Frankfurt/Hahn zum Bespiel New York oder so.

    Fedja: Ich weiß es leider nicht. Im Refrain kam immer „Donnerwetter“ vor, aber das Internet ist mit so einer Suchanfrage natürlich überfordert.

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