Großstadtgeflüster.

Diese Stadt tuschelt. Immer und überall wird geflüstert. Gern auch laut gebrüllt. Geschimpft und gedroht. Man gewöhnt sich daran. Kann ja jeder machen, was er will. Hier finden alle ihren Platz. Hab Dank, du Anonymität. Schaut man genau hin, müsste die Epoche der Selbstgespräche ausgerufen werden. Denn die, die da tuscheln, flüstern oder brüllen, tun das ins Nichts hinein. Einfach so. In der U-Bahn sitzt ein Mann und labert aus dem Fenster in den dunklen Schacht. In der S-Bahn führt jemand Gespräche mit allen an uns vorbeiziehenden Sehenswürdigkeiten. Im Café hält eine Dame einen Plausch mit ihrem Löffel. Eine Frau überholt mich auf dem Gehweg und trällert ein Lied. Drüben schimpft ein älterer Herr ins Nirgendwo.
Was ist nur los mit den Menschen in dieser Stadt? Mit wem sprechen sie? Sehen die was, was die Puppe nicht sieht?

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Großstadtgeflüster.

14 Gedanken zu “Großstadtgeflüster.

  1. Zwei Beobachtungen: Als Gast in Berlin ist mir das auch schon aufgefallen. Die meisten Einheimischen scheinen sich daran gewöhnt zu haben. In Dresden fallen mit sich selbst sprechende (grummelnde, schimpfende) Menschen viel mehr auf.

    Das scheinbare Selbstgespräch kann auch ein Ferngespräch sein. Manche Freisprecheinrichtungen sind heute so winzig, dass sie in der Kleidung verschwinden. Manche Kommunikation klingt auch wie ein Selbstgespräch;-)

  2. Als es diese Freisprecheinrichtungen fürs Handy noch nicht gab, war’s wirklich leichter zu unterscheiden, ob jemand einfach nur etwas (oder etwas mehr) neben der Spur ist oder ob der scheinbare Monolog doch ein Dialog ist ;)

  3. Denize: Dann gibt es aber auch keine Diskussionen und andere Meinungen mehr. Das ist doch öde. ;)

    Stefanolix: Stimmt…das mit den Freisprecheinrichtungen ist schon sespekt. Oft führen die Menschen also gar keine Selbstgespräche, sondern telefonieren. Na…ist ja manchmal auch das Gleiche. ;)
    P.S. Danke für die Bilder. Panna Cotta für alle. ;)

    Maren: Ach…die sind doch alle verrückt. Wer auf der Straße laut labernd mit Freisprecheinrichtung unterwegs ist, hat ein massives Mitteilungsbedürfnis.

  4. Mich verwirren ja immer Menschen, die allein laufen und dabei in ihr für mich meistens unsichtbares Headset sprechen.

    Mein Sohn fragte mal, ob ein an uns vorbeilaufender und augenscheinlich Selbstgespräche führender Mensch auch einen imaginären Freund hat :lol:

  5. Sterntau: Die Headset-Leute sind wirklich verwirrend. Aber bei den meisten Leuten kann ich leider kein Headset erkennen. Ich schau extra immer, muss dann aber feststellen, dass die doch einfach nur einen Knall haben und laut labernd durch die Straßen laufen. ;)

  6. Wobei es auch viele ältere Menschen gibt, oft allein lebende, die mit sich selbst sprechen.
    Meine Uromi macht das auch, sie war fast taub…. Und meine Oma sprach bei der Hausarbeit mit sich selbst. Meine Mutter gab vor kurzem erst zu, dass sie auch mit sich selbst schnackt.

  7. mthem schreibt:

    Lasst doch die vereinsamten und verwirrten auch ein bisschen Konversation betreiben, auch wenn es mit sich selbst ist.
    Die Head-Set Schnösel sollen ihre wichtigtuerei für sich behalten!

  8. Sterntau: Dann liegt es bei Ihnen wohl in der Familie. Seien Sie vorsichtig. ;)

    mthem: Willkommen und ich gebe dir recht, dass jeder reden kann mit wem er will. Selbst wenn niemand da ist. Aber etwas schräg ist das trotzdem.

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