Paul Laub läuft. | Update #10

Paul Laub von der Lyrischen Blogfront beglückt den Lesenden zum einen mit wundervollen Gedichten wie diesem oder gar diesem. Zum anderen schmiedet er oft unbeobachtet Ideen, die mich inzwischen schon gar nicht mehr überraschen. Sein neuster Plan: Paul Laub läuft.

Paul Laubs jambische Wanderung ist dem Erhalt und Gedeih der Gebrauchslyrik gewidmet.

Heute 8 Uhr startet er in freehill. Sein Ziel: Die Elbperle Meißen. Mit Rucksack und Proviant geht es über Wiesen und Auen, durch Wälder und Täler, entlang von Flüssen und Weiden. Weg: 34,56 km.

Reiseroute:


(Zum Vergrößern anklicken.)

Als la hermana des Paul Laub werde ich seine Wanderung verfolgen und bloggen. Regelmäßig wird es hier Updates geben, die ich entweder via SMS, Brieftaube, Rauchzeichen oder Gedankenübertragung empfange.

Dranbleiben!

Update #1 (9:00 Uhr)
Start: 8 Uhr
Wetter: massive Bewölkung
Befinden: Müde und die Gewisseheit, dass der Rucksack zu schwer ist. Aber guter Dinge! Es geht los.

Update #2 (11:00 Uhr)
9:00 Uhr – Paul Laub hat das Örtchen Conradsdorf passiert. Anfänglicher Nieselregen hat aufgehört. Von Sonnenschein kann aber keine Rede sein. 11 Uhr musste der Weg wegen Unpässlichkeiten westlich verlassen werden. Rast an einem Angelteich mit neugierigen Bauern. Sie wundern sich, wo der Wandergeselle hin will. Ein mit russischem Wodka gefüllter Flachmann leistet Paul Laub neben seinem Proviant gute Dienste. Rechte Schulter schmerzt. Rucksack doch zu schwer?
Epigramm der ersten drei Stunden:
Das Wandern für die Dichtung hat durchaus Esprit
Und noch etwas – ihr ahnt es? – Donquijoterie!

Update #3 (12:40 Uhr)
Paul Laub hat durch Umwege eine 3/4 Stunde eingebüßt. Fand aber auf seinen geplanten Weg zurück. Er hofft, in weniger als einer Stunde am Fluss Triebisch anzukommen. Momentan kraucht er zwischen Mohorn und Dittmannsdorf herum – im Nieselregen. Er kann den Verlockungen der Brombeeren nicht mehr lang widerstehen. Habe ihm gesagt, dass da gern mal tollwütige Waldbewohner dranpi.nkeln. Nojo.

Update #4 (14:00 Uhr)
Paul Laub hat 13.15 Uhr den malerischen Fluss Triebisch erreicht. An der Dietrichmühle legt er eine Rast ein und dichtet:
Die Weizenstoppeln knirschen unterm Schuh,
Die Schultern unterm Rucksackriemen.
Ansonsten hat man aber seine Ruh
und denkt nicht mehr ans Geldverdienen.
Man gönnt sich einen Kolben Mais und falls
man davon Durst bekommt, dann gießt man eben
noch einen guten Schluck dazu.
Dem Hals
und auch dem Rest tut’s wohl.
So lässt’s sich’s leben.

Update #5 (15:00 Uhr)
Halbzeit. In Tanneberg ist die Hälfte der Strecke geschafft. Paul Laub berichtet von einer Schwüle da unten im Tal. Er schafft Abhilfe mit Pause und Bier und lässt ausrichten: Der Rucksack wird auch nicht leichter.

Update #6 (16:45 Uhr)
15:30 befindet sich Paul Laub kurz vor Rothschönberg. Der Fluss mäandert wie doof und die Wege machen was sie wollen. Route darum sicher um einges länger. O-Ton Paul Laub: „Komme gut voran. Laufe straff, um die notwendigen Pausen einzuholen. Was mit Zucker wäre gut, aber Zucker für Stadtkinder und nicht das Früchtezeug. Inzwischen ist es 16 Uhr und es sind noch 16 km bis zur Elbe. Der Schulter geht es gut, dafür hat meine Hüfte vom Beckengurt mehr Druckstellen als das verdammte Obst in meinem Rucksack. Ürbigens: Vodka muss irgendwie verdunstet sein.“
Inzwischen ist er kurz vor Munzig.

Update #7 (18:00 Uhr)
Paul Laub ist seit 10 Stunden auf seiner jambischen Wanderung und kämpft sich durch. Es wird nicht einfacher und einige Kilometer liegen noch vor ihm.

Update #8 (20:00 Uhr)
18:40 Uhr ist Paul Laub in Garsebach angekommen. Dort riecht es schon nach Heimat. Aber seine Beine wollen nicht mehr, die Schultern auch nicht und die Hüften streiken sowieso. Aber die Wolken reißen auf und lassen die Abendsonne durch. O-Ton Paul Laub: „Feine Sache.“

Update #9 (20:15 Uhr)
Bilder vom Tag


Update #10 (20:30 Uhr)

ANKUNFT! Nach 12 1/2 Stunden jambischer Wanderung hat Paul Laub sein Ziel erreicht. Erschöpft aber froh blickt er auf die Elbe.

Epigramm:
Beim Stock in meiner Faust, beim müden Fuß,
was ich erlaufen, scheint mir viel!
Der Lyrik also meinen höchsten Gruß!
Dein war der Weg. Mein ist das Ziel.

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Paul Laub läuft. | Update #10

31 Gedanken zu “Paul Laub läuft. | Update #10

  1. Bestimmt. Es sei denn, der Flachmann wird zu früh geleert, so dass der Wandesmann in eine Scheun einkehrt. Sein Haupt bettet auf Stroh, da wären wir nicht froh. Fortan gebe es nichts mehr zu lesen über ihn, und das war nicht der Aktion ihr Sin(n).

  2. Die Brombeeren mit Tollwut bestäubt er as,
    daraufhin er hatte mit bunten Phantasien viel Spass.
    Es wurde ihm heiss es wurd ihm kalt,
    seine Schwester ihn schalt.
    Gewarnt habe ich dich davor,
    aber du musstest die Beeren ja essen du Tor.
    Er sieht, wie das Ende sich naht,
    was eine Erleichterung als er gewahrt,
    es war nichts als Trug und schaum,
    es war nur ein Traum.

  3. Balkonistin: Sie sind wundervoll…eine Dichterin. Schmacht. Sie sollten am Gedichtwettbewerb des Paul Laub teilnehmen. Unbedingt. Schmökern Sie doch mal auf seiner Seite.

    Denize: Igitt. Hoffentlich nicht!

    Fabian Probst: Ahhh…noch ein Dichter mit Blog. Ich richte ihm die Grüße aus…jetzt gleich. Und loben Sie ihn erst, wenn er angekommen ist. Das erhöht den Ehrgeiz. ;)

  4. Leider hat der Mohn so seine Tücken
    ohne es zu wissen gar zu ahnen
    Schleicht sich gern in Zahnes Lücken
    Nur ein Spiegel kann einen jetzt noch warnen.

    Dieser ist am Tischen nicht oft zur Hand
    so zieht man gesättigt und frohen Mutes
    mit geprenkelten Gebiss durchs Land.
    Mohn ohne Spiegel essen ist nicht Gutes.

    :mrgreen: mit gesprenkeltem Gebiss!

  5. *ggg* Mohnschnecken. Ich steh ja nicht so auf Mohn, aber das mit dem Spiegel kann ich trotzdem nachvollziehen. Fiese kleine Mohnkörnchen wollen überall hin. Sie werden wohl bald nur noch dichtend durch die Lande ziehen.

  6. Ham’se dem armen Kerl das Auto geklaut?

    Aber mal im Ernst, schon Gottfried Seume schrieb:
    „Wer geht, sieht mehr, als wer fährt. Ich halte den Gang für das Ehrenvollste und Selbständiste im Manne und bin der Meinung, daß alles besser gehen würde,wenn man mehr ginge. Wer zuviel im Wagen sitzt, mit dem kann es nicht ordent­lich gehen. Wo alles zuviel fährt, geht alles sehr schlecht; man sehe sich nur um! Sowie man im Wagen sitzt, hat man sich sogleich einige Grade von der ur­sprünglichen Hunanität entfernt.“

    Amen.

  7. Balkonistin: Dann hauen Sie mal rein mit ihren Mohnschnecken.

    Robert: Schön, Dich hier mal wieder zu sehen. Auto is‘ nicht geklaut, aber ihn plagte wohl eine Wanderslust..und da isser nun…unterwegs auf weiter Flur.

    Denize: Ich habe angefragt wie es um den Vodka steht. Warte auf Meldung. Im Tal der Triebisch ist wohl der Emfang mies…

  8. Denise schreibt:

    So ein Wandergeselle begeistert mich sehr. Nicht einer kennt unsere Heimat so genau wie er. Leider haben viele nicht den Mut dazu und bleiben zuhaus in aller Ruh. Der Neid meinerseits ist groß, denn die Müssigkeit liegt mir im Schoß!

  9. Oh Denise, du hast gedichtet. Dein erster Eintrag hier und der reimt sich auch noch. Wat freu ick mir! Aso…muss mir merken, nicht mehr die Berlinerin zu markieren, jetzt da du im Norden haust.

  10. Für seinen Weg gibts von mir Fame, ich wünscht´, ich hätte Ihn gesehn´. Ich hätt´ Ihn wahrlich angefeuert, dafür noch Dresdner angeheuert, die Füß´ gesalbt, die Hüft´ massiert. Aber nee, war anderweitig terminiert. Was sagt der auch so spät bescheid? Nicht meine Schuld, er war wohl breit…
    Nun ja, so soll er weiterzieh´n, dem Geldverdienen schön entflieh´n, so wie´s andre suffsitzend tun.
    Steigt nur bei denen ni so viel Qualm aus den Schuh´n….
    Ach ja, ein Tip von Typ zu Typ. Weißt ja, Improvisation ist, was uns Ossis noch blieb:
    Ist dein Voddi-Flachmann leer, passen paar Spliffs rein, legst Du sie quer. So sind die Dinger gut geschützt, dein Weißglasabfall temporär noch was nütz…..

  11. Pitypee: Ihre Worte klingen wie Musik in meinen Ohren. Motivation hätte er auf den letzten Metern sicher gut gebrauchen können. Aber er hat es geschafft und nun kann er seine Wunden Knochen bedichten.

    Mördermurmel: Und was das für ein Projekt war.

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