seitenwind (3)

Es gibt Bücher, die leiht man sich aus (vielen Dank, Murmel), um sie sich am nächsten Tag nach 20 Seiten lesen dann doch selbst zu kaufen. So trägt man dann einen Tag lang zwei Ausgaben des gleichen Buches mit sich herum – und kommt sich dabei nicht mal komisch vor. Wenn die ersten Sätze eines Buches die Puppe fast vom Sitz der S-Bahn werfen, dann muss es in den puppigen Besitz übergehen. Dann gibt es kein wenn und kein aber und erst recht kein vielleicht. Auf dieses „vielleicht“ pfeif‘ ich sowieso schon lange.

Seit zwei Tagen habe ich nun ein Leseverhältnis mit Herrn Eberhard Esche. Der schreibt, dass es einem die Latschen auszieht. Kichernd gleiten meine Augen von Zeile zu Zeile und können gar nicht genug bekommen. Jedes Wort sitzt und ist nicht in Frage zu stellen.

Das hier haut Herr Esche dem Leser gleich auf der ersten Seite um die Ohren: „Ich rufe aus den deutschen Theatern heraus, in die Straßen ihrer ungezählten Hauptstädte hinein: Das Theater ist tot! Es lebe das Theater. Doch keiner hört mir zu.“ Und das von einem Mann, der über 40 Jahre am Deutschen Theater auf der Bühne stand.

Unbedingt lesen. – Eberhard Esche: Der Hase im Rausch. Autobiographische Geschichten.

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seitenwind (3)

7 Gedanken zu “seitenwind (3)

  1. es gibt einfach bücher (und auch cds und co.) die muss man einfach besitzen…schon seltsam, oder?
    manchmal holt man sie nie wieder danach hervor, aber das gefühl es zu besitzen ist einfach genial!

  2. Das Leseverhältnis verstehe ich gut. Es ist ein wohnliches, herzliches, intelektuelles, gewitztes, trauriges, mitreissendes, hinterlistiges und warmes Gefühlschaos.
    Seine Stimme und seine Erscheinung rundeten dieses Gefühl ab und es ist bedauernswert, dass er bereits zwei Jahre tot ist. Das war ein echter Theatermann.

  3. @morcap: Oh ja…dieses Gedicht. Wundervoll

    @sari: die meisten bücher, die ich lese, besitze ich auch gern. ausleihen ist einfach nicht das gleiche. ist das eine sucht?

    @murmel: Das Eschebuch ist auch so ein toller Bahnmitfahrer. Es verzückt mich jeden Tag aufs Neue.

  4. Ha, da muss ich der „partikelfg“ zustimmen. Eberhard Esche lesen ist ja schon toll, aber musst ihn erstmal vorlesen hören! Unvergessen auch seinen Rolle als „Alfred“ in „Mama ist unmöglich“, der Kika-Serie für Meißner Lokalpatrioten. (Auch eine Kaderschmiede für begabte Schauspieler wie Robert Stadlober und… Jan Paulick. ;-)

  5. @partikelfg & hanna: leider bin ich so gar kein fan von hörbüchern, aber ich habe seine rezitation vom gedicht „der hase im rausch“ auf cd gehört…die aufzeichnung von „lyrik, jazz und prosa“ zu ddr-zeiten mit manfred krug. sehr gediegen.

    @hanna: „mama ist unmöglich“…DIE serie aus der heimat…jupp…abgefahren. wusste aber nicht, dass unser herr paulick eine rolle ergatterte.

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