seitenwind (2)

Huch, schon vorbei? Das war aber kurz, sehr geehrter Herr Hein.

„Herr Jensen steigt aus“ – und zwar richtig. Seit zehn Jahren stellt Herr Jensen die Post in seinem Viertel zu. Die Jobwahl wahr eher Zufall. Er hatte keinen Traumberuf und kein Ziel. Um in den Ferien Geld zu verdienen, hat er wie sein Kumpel bei der Post angefangen und ist – ganz im Gegensatz zu seinem Kumpel – dort hängen geblieben. Nach zehn Jahren verliert er von heut auf morgen seinen Job und kann die Begründung nicht verstehen. Sein Chef entlässt ihn mit den Worten: „Sie besitzen alles, was wir in einem Mitarbeiter suchen. Sie sind qualifiziert, routiniert und nicht überambitioniert. […] Wir müssen Ihnen leider im Rahmen unseres neuen Programms zur Verhinderung betriebsbedingter Kündigungen kündigen.“

Das war’s dann für Herrn Jensen. Er mag keine Spaziergänge, keine Restaurants und auch keine Parties. Jedes Gespräch findet sein jähes Ende, wenn er auf die Frage, was er so macht, antwortet: Nichts. Zusehends nimmt die Resignation gegenüber der Außenwelt seinen Lauf. Beim Lesen möchte man Herrn Jensen an die Hand nehmen und ihm helfen. Der erste Schritt der inneren Emigration mündet im Abschrauben seines Briefkastens. Keine Post mehr – kein Kontakt zur Außenwelt. Den Fernseher schmeißt er aus dem Fenster. Nachrichten haben in seiner eigenen kleinen Welt keine Bedeutung.

Das ist die grobe Zusammenfassung des Buches und viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Es liest sich leicht und schnell, berührt an einigen Stellen und zeigt den Rückzug eines Menschen in überspitzer Form. Es ist gut, aber keine Pflichtlektüre.

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seitenwind (2)

2 Gedanken zu “seitenwind (2)

  1. Es ist nicht nur Schwarzmalerein, sondern wird durch eine gewisse Komik aufgewertet. Als „Gute Laune Buch“ würde ich es aber nicht unbedingt bezeichnen. Es kommt sehr überspitzt daher und trotzdem kann man sich vorstellen, dass es so oder ähnlich tatsächlich passieren kann.

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