linker sherry

Samstagabend – Großstadt – Regen – Kino – Spanier – Linke – Sherry.
Die Puppe wird versuchen, diese abstrakte Gedankenkette in Schrift und Bild zu entwirren.

Der Regen plumpt uns auf der Schultern als wir das kuschelige Kino verlassen. Beschwingt von einem wunderbaren Film („Comrades in dreams – Leinwandfieber“klare Empfehlung) suchen wir uns eine gemütliche Kneipe und landen beim Spanier hier:

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.
Wir nehmen Platz, bestellen Getränke und Tapas, reden über den Film und sehen einem entspannten Kneipenabend entgegen. Aber dann kam das, was wegweisend für den restlichen Abend werden sollte. Bedienung der Kneipe kommt lächelnd an unseren Tisch und fragt, ob es uns was ausmachen würde, an einen anderen Tisch zu wechseln, da sich eine große Gruppe für eben unseren Tisch und die Plätze links und rechts davon angemeldet hätte. Alles klar, wir sind ja nicht so. Aber auch an uns geht der Kapitalismus nicht spurlos vorbei und so wird gerufen: „Bei ’nem Schnaps aufs Haus ist das kein Problem.“ Das wäre geklärt. Der Deal ist geritzt. Wir ziehen um.
Der neue Tisch ist auch ganz hübsch…größer. Wir sitzen anders und neue Perspektiven ergeben sich. Sehr gut. Das unser „alte“ Tisch noch mindestens eine Stunde leer bleibt, macht uns jedoch stutzig. Und vom Entschädigungsschnaps ist auch nichts zu sehen. Bei diesem Gedanken geht die Tür des Lokals auf und mehrere ältere Herrschaften treten ein – unter ihnen Herr Lafontaine. Mensch, wenn man hier nicht so alles trifft. Aber was ist das?! Sie steuern auf unseren alten Tisch zu. „Oh nein, das ist doch nicht wahr.“, denken wir und just in diesem Moment öffnet sich die Pforte erneut und Gysi bahnt sich seinen Weg zu besagtem Tisch. Puppe fasst zusammen: Wir haben unseren Tisch für die Linkspartei geräumt!? Leider ist vom versprochenen Schnaps immer noch nichts zu sehen. Dabei hätten wir ihn so nötig. Unsere erste Wirkungsstätte im Lokal füllt sich zusehends mit linken Politikern und Künstlern. Ist das ein Krach da hinten bei den Genossinnen und Genossen. Und wo bleibt verdammt nochmal unser Schnaps? Wir müssen nachhelfen und bitten die Bedienung uns doch nun bitte den versprochenen Schnaps (die Wahl fällt auf Sherry) auszuschenken – jetzt, da wir wissen, wer uns sozusagen vertrieben hat. Das Wort „Entschädigungsschnaps“ bekommt eine tiefere Bedeutung.

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Prost!
Und nun ein paar Bilder der Herrschaften:
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(Fotos von Morcap)

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linker sherry

10 Gedanken zu “linker sherry

  1. hm…wenn man mal die älteren herrschaften übersieht, fällt der Blick sofort auf die spanischen tortillas mit ziegenkäse…mmmhh…
    ich glaub‘ da muss ich hin:-)

  2. Was für ein Abend!
    Deine Berichterstattung ist mal wieder von erster Güte.
    Schade, dass des östereicherischen Künstlers Muse nicht recht ins Bild rücken wollte. Herr Lafontaine und sie hätten ein hübsches Paar abgegeben.

  3. mördermurmel schreibt:

    Moin Moin,
    also als Genossin und Beteiligte dieses wirklich geilen Abends muss ich sagen „Die Genossen Vorsitzenden waren gar nicht der Brüller, sondern die Muse des einen Künstlers in ihrem pinken Lochmusterkleid nebst Krokodilpuppenhandtasche!“.
    Leider war mir der Anblick nur kurz vergönnt und hat beim Erblicken auch kurzzeitig die Erinnerungen an den Tag, den Film und meinen Namen gelöscht.
    Ich sah mich quasi durch den Geburtskanal schießen und in ein Meer aus pinkfarbenem Netzstoff stürzen – krasse Sache das. Aber das ist wohl die naturgegebene Aufgabe einer Muse. Sie soll die Fantasie beflügeln.
    Ich ziehe an dieser Stelle respektvoll meinen Hut.
    Prost!
    Das Mödermurmel.

  4. @anika: joar, das essen war lecker. ob lafontaine ziegenkäse gegessen hat? man weiß es nicht.

    @morcap: Ich übe mich in der Verdrängung jener Muse.

    @mördermurmel: Auch dir sei gesagt, dass ich die Muse verdränge. Wenn dich die Muse dermaßen beflügelt, dass du dein halbes Dasein vergisst, mach ich mir Sorgen. Sollte eine Muse nicht positive Auswirkungen haben – auch Inspiration genannt? Stattdessen hielt sie uns mit ihrem pinken Netz und einer wilden Krokodilhandtasche auf Trab. Ächz.

  5. ich würde es so gern verraten, weiß es aber leider gar nicht.

    frage an das mördermurmel: weißt du wie das kneipchen hieß, das uns einen lustigen abend sowie temporäre ungläubigkeit ob einer krokodiltasche beschert hat?

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