Die Mauer ist zwar nun schon seit 20 Jahren UND einem Tag weg, aber es gibt Wörter, die werden erhalten. Gestern in einem benachbarten Netzwerkdings wahre Goldstückchen aufgeschnappt. Diese Madame war auch ganz groß dabei.
Alles fing an, weil Frl. Puppe schrieb:
Das Beste an der Wende:
Die strohigen Apfelsinen sind nun saftige Orangen.
Und dann ging es los. Hier mal eine Zusammenfassung der schönen Wörter von früher…damals…vor 1989…oder auch einfach nur Wörter aus der Kindheit…wer kann das schon noch so genau unterscheiden.
Also früher gab es zum Frühstück Brötchen, die wir in den Muckefuck dittschen konnten. Frisch gestärkt fuhr man mit dem Klappfahrrad in den Intershop und hat sich vom Zeugniswestgeld Pfeiflutscher gekauft. Manch einer kaufte sich auch seinen ersten gelben Mettscher und hat den kurze Zeit später auf der Brücke spazieren gefahren, von wo aus er unter großem Geschrei direkt in den Fluss sürzte. Ein frühzeitliches Drama. Am Abend gab es Brot mit Harte Wurst. Was nicht aufgegessen wurde, wickelte man in Silberpapier oder verstaute es in einer Plastedose. Manchmal gab es auch Speiseeis aus dem Froster. Gebastelt wurde mit Klebeband und nicht mit Tesa oder mit Leim und nicht mit Kleber. Manche hielten eine Kiwi auch für eine Kartoffel mit Haaren und andere bissen in eine ungeschälte Kiwi ausm Westpaket und beschwerten sich über das pelzige Obst.
Softeis hieß noch Speiseeis. Und war mit mehr Fett, von wegen „Zucker – hammer nich so viel“.
Ach und als Pausenbrot gab´s Schnitte. Bitte. Oder „Schulspeisung“ – tote Oma und so. Örks.
Mmh.
Einen Großteil der Wörter gab es aber im Westen auch.
Muckefuck, dittschen, Klapprad, Hartwurst, Silberpapier, Froster, Plastedose, Klebeband…
Ich dachte bisher, im Westen gabs Plastik. Man beachte den feinen orthografischen Unterschied.
Aber Mettscher!!!
Bin mal gespannt, ob da einer drauf kommt, was das war.
Und weiß jemand, was eine Datasette ist?
Man kann das Spiel auch andersrum spielen:
Wer hat HIER geschrien, als das Wort Cerealien verteilt wurde? So was hätte es im Osten ja nicht gegeben!
Mettscher kamen doch ausm Westen!
Manmanman, ist das eisig draußen. Möchte man sich doch am liebsten in eine warme Mollidecke einwickeln…
Aber dort hießen die nicht Mettscher oder?
Bauchherzklopfen: Schulspeisung war bei uns immer ein Kopf. Jeder wollte der Erste an den Töpfen sein, obwohl es total ätzend geschmeckt hat.
Wortteufel: Mir wurde gesagt, dass man die Begriffe Harte Wurst, Silberpapier, Froster und Plaste nicht genutzt hat. Sondern: Salamie, Alufolie, Gefrierfach und Plastik.
Sag mal…du kommst doch nicht heimlich ausm Osten? ;)
nomadyss: Dadasette musste ich erst nachschauen. Kannte ich nicht. Habe ich auch nie benutzt wie es scheint.
Puppe: Dadasette ist nun auch wieder schön. Ist das eine Dadaismus-Darbieterin? So mit tanzen und singen? :)
Es gab doch sogar Radiosendungen, da wurden Computerprogramme gesendet, die konnte man im Radiorekorder aufnehmen und dann per Datasette am Computer nutzen. Wahrscheinlich würde die Sendung von Windows heutzutage mehrere Wochen dauern und man muss ja auch die Zeit zum Wechseln der Kasette einplanen…
Also, als ich hier für mein Praktikum in den Westen kam und nach Klebeband verlangte, schaute man mich nur komisch an und fragte: „Meinst du Tesa?“
Genauso wie ein Taschentuch hier immernoch ein Tempo ist. Komisch, dass die „Wessis“ alles mit Produktmarken benennen müssen.
Nein, ich bin aus dem Westen. Sehr weit im Westen.
Und bei uns gab es Silberpapier, Plastebecher und Hartwurst. Sogar im Supermarkt hieß das an der Fleischtheke Hartwurst. Manchmal auch Dauerwurst.
Mein erster PC hatte noch eine Datasette. Spielte man die in einem normalen Rekorder ab, machte es komische Geräusche…
Bei uns hieß es auch nie „Tesa“ statt Klebeband, „Prittstift“ statt Leim oder „Tempo“ statt Taschentuch. Rotzknülle vielleicht noch.
Es ist kaum zu glauben, aber auch im Westen gibt es regionale Sprachunterschiede ;) Und es gab ein gemeinsames Leben vor der DDR…
Haha, Rotzknülle finde ich super! ^^
so und nu bitte die profis vor: was war uramol?
ach und im saarland gab auch idiomatisch geprägtes: dibbelabbes und mufflänner und schwenker und scheesewäänsche troddewaa und schossee und gelleriewe undundund…
Auch das Wort Weltniveau gehört wohl nicht mehr zum normalen Sprachgebrauch.
Pelziges Obst – ich lach mich weg.
Ein Exkollege erzählte mir, als er nach dem Mauerfall im Westen war, hat er in einem Supermarkt erstmal das ganze Obst begrabscht, weil er dachte, es wäre aus Plastik, da er vieles gar nicht kannte :)
nomadyss: Dadasette…ich gehe mich dann mal schämen.
Kassio: Mir wurde inzwischen von vielen Seiten berichtet, dass Klebeband ein deutschlandweiter Begriff sei. Nunja…wir werden es nie heruasfinden, warum du dann nicht verstandenwurdest. Tsts. Taschentuch… Zellstoff…Tempo…alles das Gleiche. ;)
Wortteufel: Rotzknülle? Wunderbar. Das übernehme ich ab heute. ;)
skizzenblog: Uramol? Nie gehört. Klingt medizinisch. Die Saarländer reden so knuffig…
Wortman: Von einigen Sachen war man schon sehr beeindruckt. Aber vieles gab es ja auch nur nicht in großen Mengen…
Da kann ich so nix zu sagen – bin „Alt-Wessi“ ;) Für mich sind all die Dinge hier normal gewesen.
Ich glaube, dann liegt’s am geringen Wortschatz der Hamburger. :P
Na, nen Mettscher is nix weiter als nen Matchbox-Auto gewesen. Da mein damaliger Held Colt Seavers war, war mein erster (selbstgekaufter) Mettscher auch nen GMC Sierra :))
Aber mir fehlen hier noch weitere schöne Begrifflichkeiten, die ich vermisse: z.B. das Nicki, die Faßbrause, der Delikatladen, u.v.m. … oder Zellophanbeutel in der Kaufhalle im Neubaugebiet kaufen :))
na uramol halt. das berühmte leichtlauföl… wer hätts gedacht.
hier mal gucken:
Taschen Verlag: SED – Sozialistisches Einheits Design
(schön auch die französische übersetzung: „savoir éviter le design“)
http://www.taschen.com/pages/de/catalogue/design/all/40201/facts.sed_design.htm
nilobag: Willkommen. Matchbox…klar. :) Aber Mettscher klingt eben besser. Nicki ist auch toll…und Fassbrause ist immer noch sehr lecker. Kaufhalle? Konsum. Das hieß Konsum.
skizzenblog: Schöne Seite. =) Aber Uramol hab ich echt noch nie, nie, nie gehört. Bis heute.
Also ich kenne auch die Kaufhalle. Ich glaube, für den Konsum bin ich dann doch ein zu junger ehemaliger DDR-Bürger gewesen. Da gab’s dat schon nich mehr. *g*
Ach ja, aber das gute alte Nicki- den begriff sollte man mal wieder einführen. ^^
Das gab’s doch beides. Kaufhalle war HO. Und Konsum war Konsum(genossenschaft). Da gab’s Konsummarken, die man immer in Hefte klebte. Ich weiß zwar nicht, wofür, aber meine Mutter machte das. Vielleicht gab’s am Ende des Jahres Geld zurück?
Eine der Mütter der Paybackkarte sozusagen.
HO kenne ich auch noch. Aber der kleine Laden umme Ecke war der KONSUM. Auch noch ganz lang nach der Wende. Konsummarken…war das nicht tatsächlich eine Art Bonussystem? Ich recherchiere mal eben…aha…hier.
mir ist auch noch einer eingefallen: der gute alte Polylux
Hat denn noch jemand diese „Formo“-Steine?
nomadyss: Polylux ist aber deutschlandweit verbreitet, oder? Es existierte so lange bis der „Overheadprojektor“ an die Macht kam.
Wortman: Gute Frage. Weiß gar nicht mehr, ob es die in meinem Kinderzimmer gab.
Diese Steine würden mich interessieren. Da muss ich wohl mal im Osten auf die suche gehen oder wie sieht das aus? *g*